Die Piratenpartei – Ein Blick von außen

jenniJenni, eine engagierte Bonner Piratin ist derzeit im Rahmen ihres Studiums für ein Jahr in Irland. Und zwangsläufig verbindet sie ihre dortigen Erlebnisse mit ihrer politischen Tätigkeit bei uns. Aus der Ferne quasi als “Blick von außen” hat sie ihre Erfahrungen der vergangenen Wochen in Worte gefasst. Herausgekommen ist eine interessante Zusammenstellung von Themen, die wir hier in Deutschland oft schon als “erledigt” abgehakt haben, die aber in anderen Teilen Europas, und dazu gehört auch Irland, noch immer auf der Tagesordnung stehen. Europa ist vielfältig, im wahrsten Sinne des Wortes. Lest einfach, was Jenni so erlebt und beobachtet. Noch besser: Reist durch Europa, macht euch ein eigenes Bild  😉

Und noch eines liegt mir am Herzen: Jenni schildert mit klaren Worten, warum es wichtig ist zu kämpfen.  Für eine gerechte Gesellschaft, für die Ideale der Piratenpartei. An alle, die diesen Artikel lesen, an Piraten, an Sympathisanten, Gegner oder Kommentatoren: Die europäische Politik braucht neue Wege, braucht einen Relaunch, der  die verkrusteten Strukturen wegschwemmt. Dafür stehen wir als Piraten.

 

Hallo ihr, hallo alle!

Wie der eine oder andere weiß, bin ich derzeit und auch in der nächsten Zeit in Irland. Trotzdem lässt man ja aber seinen Kopf, seine Augen und Ohren nicht zu Hause. Ich lese die deutsche Presse weiterhin, und verfolge Twitter, Facebook und auch die Tagesschau.

Und ich lese auch hier Presse und erlebe Kultur. Wisst ihr was? Es geht mir unglaublich auf den Keks, dass wir Piraten immer mal wieder totgeschrieben werden. Ständig wird vom “Kentern” der Piraten gesprochen- ein gefundenes Fressen für die Medien. Dass der SPD tausende von Mitgliedern weg laufen ist kein Thema. Ich kann’s nicht mehr hören. Ja, es treten Menschen aus. Ja, wir sind eine junge Partei die lernt, eine Partei die im Findungsprozess ist und verdammt noch mal eine transparente Partei – deswegen bekommt die Öffentlichkeit eben nun mal mit, was bei uns passiert.

Qualität braucht Zeit. Im Leben, in der Wissenschaft, in der Arbeitswelt und verdammt noch mal bitteschön auch in der Politik. Wenn Menschen unsere Partei verlassen wollen, können sie dies tun, schließlich leben wir in einer Demokratie. Und im Gegensatz zur allgemeinen Presse, finde ich das gar nicht schlimm. Man kann neu anfangen, sich neu sortieren, neu aufstellen. Die medial bezeichnete “Austrittswelle” kann ein guter Neuanfang sein und zeigt nur eins: die BASIS ist wichtig, nicht die Spitze. Und die BASIS, das sind wir, du, ich, wir alle. ALLE Aktiven(und das seid ihr auch, wenn ihr “nur” diese Mailingliste lest) sind die BASIS der Piraten. Wir sind die, die wichtig sind. Jetzt mehr denn je. Ich kann’s nicht mehr hören, dieses Gerede vom Scheitern und den Untergangscheiß. Bürgerliche Kategorien! Scheitern ist nichts schlechtes, es wird nur in unserer Gesellschaft gerne so gesehen. So ein Unsinn!!!! Scheitern heißt neu anfangen können. Und wir sind nicht gescheitert.Wir lernen noch, wir lernen laufen und leben. Dies ist ein Prozess der nie endet, wenn ihr mich fragt.Piraten

Ich erlebe gerade in Irland eine ganze Menge. Ganz viel tolles und gutes, aber ich will kurz von dem berichten, was mich weiter kämpfen lässt. Ich werde gerade jeden Tag darin bestärkt wie wichtig es ist engagiert zu sein, wie wichtig es ist zu kämpfen. Hier gibt es die totale Überwachung! Überall sind Kameras, selbst die Uni wird überwacht. Jede Straße, jeder Pub, überall gibt es Kameras.

Studieren kann man hier nur mit reichen Eltern ( Studiengebühren liegen bei 10.000) pro Jahr oder, wenn man viel Glück hat, mit einem Stipendium. Die Katholische Kirche hat immer noch einen enormen Einfluss hier. Sexuellen Aufklärungsunterricht gibt es in den Schulen nicht, deswegen glauben viele der (älteren) Iren, dass man sich Krankheiten wie AIDS über die Luft einfangen kann. Die jüngeren Iren sind aufgeklärt weil sie das Internet nutzen, die älteren nicht. Homosexuelle werden häufig noch offen diskriminiert und wenn man als Frau oder Mädchen eine Abtreibung machen lassen will (was in Irland noch unter Strafe gestellt ist), muss man möglichst schnell nach England ausreisen um dies dort machen zu lassen. Verhütungsprogramme richten sich fast ausschließlich an Mädchen und Frauen (nicht an Männer, die ja auch beteiligt sind), eigentlich ist Sex vor der Ehe aber eher nicht so cool. Ach so, und wenn eine Frau eine Abtreibung hatte, dann ist das häufig noch eine “Familienschande”.

Es gibt kaum Gewerkschaften in den Betrieben und Arbeitnehmer werden häufig behandelt wie….naja, nicht wie bei uns. Kaum Rechte, keine Versicherung. Ach ja: bloß nicht krank werden! Ärzte sind teuer! Herzlich willkommen im Europa des 21.Jahrhunderts!

Es ist nicht alles schlecht, das will ich gar nicht sagen. Aber diese Gesellschaft, die nicht so weit entfernt ist von uns, funktioniert teilweise noch so. Aber da ist Piratenauch die andere Seite: Die jungen, motivierten Menschen. Die kämpfen um alles. Dass Abtreibung erlaubt ist, für mehr Bildung, für Gleichberechtigung. Und die Presse will mir sagen, dass die einzige Partei, die sich ehrlich und ernsthaft in Deutschland dafür einsetzt, tot ist?! Ich glaub es hackt!

Mehr denn je lerne ich hier, wie wichtig es ist für Ideale und Ideen zu kämpfen. Es geht uns gut, im geheiligten Deutschland. Die Iren meinen, wir Deutschen hätten sie nach der Krise 2008 gerettet. Viele wollen zu uns kommen, um zu arbeiten. Viele sehen Deutschland als das “gelobte Land”. Das ist komisch, denn ich sehe Deustchland nicht so.

Was ich mit all dem sagen will: Wir sind nicht tot. Diese, unsere Partei lebt einzig und allein von UNSEREM Engagement. Von meinem und von eurem. Kommt zu unseren Stammtischen, kommt zum AK, informiert euch, empört euch, seit aktiv. Der kleinste Beitrag ist wichtig für uns. Aktiv sein bedeutet nicht, dass man “ganz oben” mitmischt. Wir haben zwei ganz großartige Vertreter im Stadtrat. Diese benötigen eine ganze Menge Unterstützung. Wir haben einen gut arbeitenden AK Kombo, wir haben uns und euch. Tut was, lest hier mit und überlegt euch wie ihr noch ein kleines bisschen aktiver werden könnt. AUFSTEHEN ist wichtig. Lasst euch nicht unterkriegen. Wir sind und bleiben die Mitmachpartei. Wir sind die, die wirklich ändern wollen, vielleicht auch uns selbst. Das ist nichts schlechtes. Ich bin auch Piratin, weil in meinen Augen all die anderen Parteien versagt haben. Fukushima, ACTA und Co. Ich will in einer Welt und einer Gesellschaft leben, die ich mitgestalten kann. Wie sieht es bei euch aus?

Ich will ein BGE, ich will so wenig Überwachung wie möglich und ja, ich will Gleichberechtigung. Und verdammt noch mal, ja: ich bin Feministin! Das ist kein Schimpfwort, sondern was gutes. ICH werde nicht aufhören für meine Ideale zu kämpfen. Nennt mich Idealistisch oder naiv, ist mir furchtbar egal. Das ist wichtig.

Und übrigens: Wir sind Piraten, was auch bedeutet, dass wir in unwegsamen Gewässern kämpfen können, müssen, wollen. Wir sind keine Kuschelpartei. Gerade trennen sich vielleicht die Realisten von den totalen Idealisten. Vielleicht werden wir (endlich) handhabbarer. Wir brauchen Leute, die auch rational unsere Ideen umsetzten können. Unsere beiden Stadträte versuchen das gerade, und sie machen bisher einen verdammt guten Job. Fragt sie, sprecht mit Ihnen. Lasst euch nicht unterkriegen! Auf, auf Piraten!Totgesagte leben länger!

Jx


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