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An alle, die vorgeben uns Piraten zu kennen

An alle Piraten, Ex-Piraten und an die, die vorgeben uns Piraten zu kennen und dabei den größten Unsinn in den Medien verbreiten.

“Die Piraten haben sich selbst zerlegt und sind tot” kann ich derzeit täglich in irgendeinem Papier oder auf irgendeinem Blog lesen. Wegen ein paar sogenannter Promis die das Handtuch schmeißen, soll eine ganze Partei tot sein? All den Klugscheißern biete ich an: Besucht uns mal an der Basis. Hier machen wir verantwortungsvolle Politik, sitzen in Landesparlamenten und Stadträten und erhalten Lob für Sachkenntnis und themenorientierte Entscheidungen.

Mir geht der Medienhype um die paar Aussteiger, um es mal klar, deutlich und sprachlich unkorrekt zu sagen, tierisch auf den Sack. Was haben ein handvoll Ex-Piraten für eine basisdemokratische Partei mit tausenden engagierter Mitglieder für eine Bedeutung? Sie haben nach dem Motto gehandelt: “Es läuft nicht so, wie ich es möchte, da mach ich einfach nicht mehr mit”. Persönlich kann ich das vielleicht noch verstehen, wer ernsthaft Verantwortung in der Politik übernimmt, muss aber standfester sein.

Zwischen Angst und Mut liegt nur ein HerzschlagIch frage jeden der Aussteiger einmal direkt: Seid ihr denn nicht auch Teil der Piratenpartei gewesen? Ihr hattet alle Chancen der Welt, die anderen Mitglieder von euren Vorstellungen zu überzeugen. Mag sein, dass derzeit andere Gedanken besser ankommen, aber akzeptiert bitte, dass Mehrheitsentscheidungen ein Kernmerkmal der Demokratie und unserer Partei sind. Ihr macht es euch verdammt einfach. Nicht, dass ich mich nicht auch schon gefragt habe, ob das noch die gleiche Partei ist, für die ich letztes Jahr bei der Bundestagswahl kandidiert habe. Inhaltlich bin ich vielleicht näher bei euch, als ihr denkt. Aber letztlich habe ich mir gesagt: Ich bin Pirat, ich kämpfe für meine Ideale und ich kann meinen Teil dazu beitragen, dass sich die Partei so entwickelt, wie ich es mir wünsche. Es würde mich freuen, wenn der ein oder andere Pirat, der diesen Text liest, auch so reagieren würde.

Und jetzt der Schlußsatz an all die Basispiraten, die schon allein mit diesem Wort ihr Licht unter den Scheffel stellen: Denkt nicht “Was sollen wir jetzt bloß machen, wir haben doch unsere Promis verloren” sondern seid stolz darauf, dass wir keine Promis brauchen. Wir machen Politik aus der Basis heraus. Wir lassen uns nicht von “denen da oben” den Weg vorgeben, sondern sind angetreten um neue Wege zu finden. Das ist oft mühsam und bestimmt alles andere als geradlinig. Versteht dieses Suchen einfach als etwas positives, als Chance das autoritäre Top-Down Denken der traditionellen Parteien zu überwinden.

Was ihr hier lest, ist meine persönliche Meinung. Aber ich glaube, dass ich damit das ausdrücke, was vielen Piraten durch den Kopf geht.

Klaus Benndorf