Klarmachen zum Ändern!

Reden für die Struktur der Piraten

Text und Meinung: Wilk Spieker

„Wir müssen reden“…

…hieß die Veranstaltung in Kerpen, die einige OWL Piraten besucht haben.

Immer wenn diese Worte gesagt werden, dann bedeutet dies erst mal : es stimmt etwas nicht, etwas muss verändert werden. Nach der Bundestagswahl 2013 gibt es Redebedarf!

Bereits im Juli war ich in Kerpen und hatte hier die Direktkandidaten auf das Wahlprogramm Bildung vorbereitet. Anfang Oktober kam @superconductor und @wirkungstreffer auf mich zu und wollten mich als Themenpaten gewinnen. Ich habe natürlich schnell zugesagt, denn die Kerpener machen tollen Kuchen, darf man sich nicht entgehen lassen. Ich wurde in das Konzept eingeweiht. Da zwei Themenpaten für die drei Themenblöcke verantwortlich sein sollten, bildete #wako aus Düsseldorf mit mir das Team.

Schon wenige Stunden nach öffentlicher Bekanntmachung kam die erste Kritik: „wir sind Piraten und wollen keine Freibeuter werden!“ oder „immer nur Reden, bringt doch nichts“.

Das hat mich zum Nachdenken angeregt. Kommen wir vielleicht wirklich mal zu dem doch so glorifizierten Captain Jack Sparrow. Jeder hat zumindestens einen der Filme mit Jhonny Depp gesehen – so richtig schön piratig und unstrukturiert. Wirklich unstrukturiert? Gut, in den Filmen muss ja immer irgend ein Ziel erreicht werden. Und ja, selbst Captain Jack Sparrow braucht Struktur: Wo kommt das Pulver her, wir brauchen eine Seekarte, einer kümmert sich um den Proviant und den Rum! Kurz gesagt, auch Piraten brauchen Struktur.

Wako

Wako

Ich selbst bin sicherlich im Bereich der Struktur keine Koryphäe, also war die Herausforderung geboren, den Bereich der Struktur zumindestens methodisch spannend zu gestalten. Es kam zum ersten Telefonat mit der überaus sympathischen Wako.

Klar war, der Slot Struktur braucht eine Struktur! Es war davon auszugehen, dass eine Vielzahl an Information in dieser Veranstaltung eingebracht wird und dies bei 90 Minuten in der ersten Einheit! Wer schon mal den Piraten beim Mumblen zugehört hat, sagt sich sofort: „geht nicht“
Doch, wir entschieden uns ein „World Café“ durchzuführen:

Jeder Leitfrage wurde ein Tisch zugeordnet:

Tisch 1:

Thema: parteiinterne Demokratie und parteiinterne Entscheidungsfindung
„Alle Macht den Räten! Am Ende: Die Basisdemokratie?“

Tisch 2:

Thema: Wahlkampfkoordination und Wahlkampfteams 2013
Schwach gestartet, stark nachgelassen: War die Wahlkampfkoordination stets bemüht? Von der Ausschreibung bis zur Rückgabe der Beauftragung – wenn einmal der Wurm drin ist.

Tisch 3:

Thema: Tooldiskussion bei den PIRATEN
Basisdemokratie, Internetpartei? LQFB (Liquid Feedback), DZP (dezentraler Parteitag), SMV (ständige Mitgliederversammlung) – warum klappt das alles nicht?

Tisch 4:

Thema: Arbeitsstruktur – bezahlte Vorstände & Co.
Er halte auch deshalb nichts von dem Vorschlag bezahlter Vorstände, weil sich ein bezahlter Vorstand finanziell viel zu abhängig von der Partei machen würde. Hingegen hatte Joachim Paul erklärt, ein Führungsamt nur ehrenamtlich auszuüben, gehe gar nicht. „Professionalisierung heißt auch: Ich muss mich sorgenfrei um die Belange der Bürger kümmern können“, sagte er dem „Spiegel“.

Für jeden Tisch konnten wir an der Gesamtschule in Kerpen einen Raum zuordnen – Perfekt.
Kerpen

Man kann es nicht glauben – PÜNKTLICH um 11 Uhr konnten wir die 60 Minuten starten. Für die beiden anderen Tische unterstützen uns @RhineBlaze und @joshibaer, eine sehr gute Wahl, Danke noch mal an dieser Stelle.
PÜNKTLICH um 12 Uhr war dann der Spuk auch vorbei. Einen Dank auch an die 35 Piraten die mitgemacht haben und extrem zivilisiert diskutiert hatten -geht doch!

Die Ergebnisse:
Wir hatten erwartet, dass sich viel über die Vergangenheit ausgekotzt wird. Wir hatten aber auch erwartet, dass wir Ergebnisse für die Zukunft herauskristalisieren können. Zu 1) nein Fehlanzeige, zu 2) Volltreffer

Was soll sich ändern?

1) Wissensmanagment wurde in verschiedenen Gruppen als großes Problem gesehen. Geht eine entscheidende Person, dann nimmt sie ihr Wissen mit, eine nachfolgende Person muss alles wieder neu erarbeiten.

2) bezahlte Vorstände will keiner , die Partei besteht zu 99,9 % aus ehrenamtlichen Piraten , doch unabhängig von der Position in unserer Kerpener Gruppe innerhalb der Partei, war klar, dass die Bezahlung nicht der entscheidende Faktor ist überhaupt eine Position, z.B. im Vorstand, zu übernehmen. In der Regel ist der Job ja eh nur für ein Jahr.

3) bezahlte Verwaltung wurde als Lösung für 1 und 2 gesehen. So könnte Verwaltungspersonal sich darum bemühen den Wissenspool zu pflegen aber auch Arbeit den Vorständen abzunehmen. Weiterhin könnte so auch ein Wahlkampfteam vor einem Wahlkampf das Verwaltungsteam aufstocken und so direkt den Wissenspool nutzen.

4) Delegationen Eher nicht so populär , wurde jedoch auch hier von verschiedenen Gruppen genannt. Das bisherige Modell der Mitgliederversammlung hat nicht so viel mit Basisdemokratie zu tun hat. Nur wer Geld und Zeit hat kann alle Parteitage besuchen und mitstimmen. Die Piraten , die sich dies nicht leisten können, können bisher nicht teilnehmen – ich lasse dies mal so stehen.

5) LQFB war für mich totgesagt. Unerwartet wurde jedoch von vielen die Notwendigkeit gesehen, dieses Tool beizubehalten. Geändert werden sollte das Design, einfacher- etwa so.

Weiter sollte ein fester Tag für die Einreichung der Anträge festgelegt werden und auch dass Ende von Umfragen sollte terminlich zusammen geführt werden. LQFB soll beginnen zu kommunizieren, also den Anwender Nachrichten zu Themen zukommen zu lassen. Und auch die Verbindlichkeit von Abstimmungen in Verbindung vielleicht mit der SMV würde das Tool atraktiver machen.

6) Superdelegationen sollten beschränkt sein, Delegationen sollten automatisch nach 3 Monaten auslaufen und müssen dann erneuert werden.

7) Budget für Vorstände sollen als Aufwandsentschädigung gezahlt werden.

wilk-rhineblaze

Wilk und @Rhineblaze

Diese so diskutierten Strukturen präsentieren wir dann als #Humanpowerpoint:

Wie schon gesagt, das Ergebnis von 60 Minuten.

Nun könnte man sagen:“ ganz nett, aber es passiert doch nichts!“ Ja, könnte sein, muss aber nicht. Es wird nachbesprochen werden, es wird eine Mumblesitzung geben, es gibt eine AG Struktur, es wird Anträge geben, es wird sich einiges verändern. Auf dem Weg zur Professionalisierung ohne zu Freibeutern zu werden!!

Wir wollen Piraten bleiben, aber auch mal endlich etwas : „Klarmachen zum Ändern“

ein lesenswertere Blog zum selben Thema von Sabine Martiny:


Kommentare

Ein Kommentar zu Reden für die Struktur der Piraten

  1. samy meinte am

    so hatte ich mir das vorgestellt, zwar ohne Worldcafé-Struktur, aber sehr Ergebnis -orientiert lief es bei „Kommunikation“, auch wir machen weiter!
    Schön der Satz von Daniel Düngel: „Das machen wir wieder (weil es sich gelohnt hat)
    Eine Anmerkung von mir noch: 2 Podiumsdiskussionen brauchten wir wohl gar nicht, und die Mittags wurde um fast 1/2 Std. überzogen, das ging von unserer Arbeitszeit ab! Und am Ende hätte ich mir aus allen 3 Strängen – Struktur – Kommunikation – Kultur ein Feedback und eine Zusammenführung gewünscht.

Schreibe einen Kommentar

Hinweis: Durch Bereitstellung der Kommentierungsfunktion macht sich die Piratenpartei nicht die in den Kommentaren geschriebenen Meinungen zu eigen. Bei Fragen oder Beschwerden zu Kommentaren wenden Sie sich bitte über das Kontaktformular an das Webteam.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *