Piraten zum Nationalpark OWL

Die Mitglieder der Piratenpartei in Ostwestfalen-Lippe haben in der Mitgliederversammlung letzten Samstag ein Positionspapier verabschiedet mit einem Lösungsvorschlag zur Streitschlichtung zwischen Nationalparkgegnern und -befürwortern. Dieses sieht einen Naturpark vor mit Ruhezonen, in denen keinerlei Bewirtschaftung geschehen darf. Die Ruhezonen sind auf 30 Jahre angelegt und befinden sich in den Gegenden, in denen derzeit sowieso nicht geschlagen wird. Die Piratenpartei hofft, durch den Brückenschlag zwischen den verfestigten Positionen einen für alle Seiten vorteilhaften Kompromiss gefunden zu haben. Es wurden die Bedürfnisse von Privateigentümern, Pilzsammlern, Geocachern, Jäger, der Holzwirtschaft und zuletzt der Naturschützer berücksichtigt.

Darüber hinaus fordern die Piraten in OWL die Durchführung eines Volksentscheides auf Bezirks- oder Landesebene, um eine von der Gesellschaft getragene Lösung zu finden. Immerhin befindet sich der größte Teil des fraglichen Gebietes des Teutoburger Waldes und der Egge im Besitz der Bürger (Kreis Lippe, Landesverband Lippe).

Sofern sich die Parteien nicht auf den vorgeschlagenen Kompromiss oder einen ähnlichen einigen können so waren nicht die jeweiligen Ziele Gegenstand der Diskussion, sondern andere, unterschwellige Ziele, die nicht klar gesagt wurden.

Der Wortlaut des Positionspapiers lautet wie folgt:

Positionspapier Ruhezonen-Naturpark

Es ist geplant, in der Region Ostwestfalen-Lippe im Teutoburger Wald und der angrenzenden Egge einen Nationalpark einzurichten. Das Gebiet beinhaltet dabei auch mehrere Naturschutzgebiete wie beispielsweise die Externsteine. Nach dem Ende der militärischen Nutzung des angrenzenden Truppenübungsplatzes Senne könnte der Nationalpark noch um das Gebiet der Senne erweitert werden. Die geplante Kulisse hat derzeit den Status eines Naturparks, in Teilen auch eines Naturschutzgebietes. Ein Nationalpark, als höchste naturschutzfachliche Kategorie, hat zum Ziel, die außergewöhnliche Landschaft mit ihrem auffälligen Landschaftsbild dauerhaft zu schützen. Dieser Schutz ist allerdings kein Ausschluss der Nutzung. Tourismus findet weiterhin statt und profitiert meist von der Marke Nationalpark. Eine weitere wirtschaftliche Nutzung beispielsweise durch die Holzwirtschaft ist in einem Nationalpark hingegen nicht vorgesehen.

Die Piraten in OWL fordern die Einrichtung eines Ruhezonen-Naturparks, der die verschiedenen Interessen berücksichtigt. Aufgrund der umfassenden Veränderungen, die durch die Einrichtung eines Nationalparks zu erwarten wären, sollte die Entscheidung für oder gegen einen Nationalpark oder Ruhezonen-Naturpark nicht duch die regierenden Parteien alleine entschieden werden. Stattdessen fordern die Piraten in OWL die Durchführung eines Volksentscheides auf Bezirks- oder Landesebene, um eine von der Gesellschaft getragene Lösung zu finden.

Ruhezonen-Naturpark

Der Ruhezonen-Naturpark stellt eine Mischform des jetzigen Naturparks Teutoburger Wald und eines Nationalparks dar. In den folgenden Punkten wird beschrieben, wie ein Konsens zwischen wirtschaftlicher Nutzung und ökologischem Naturschutz durch Maßhaltigkeit erreicht werden kann. Auf der geplanten Gesamtfläche von 8.650 ha sollten zunächst ca. 30 % (ca. 2.600 ha) als Ruhezonen ausgewiesen werden. Diese Ruhezonen sind wie Nationalparkflächen zu behandeln. Jede Ruhezone sollte eine Göße von mind. 200 ha haben. Außerdem sollten die Ruhezonen räumlich nah aneinander liegen oder z.B. durch Korridore in Form von Wanderwegen miteinander verbunden sein. Die Ruhezonen sollten so ausgewählt werden, daß eine industrielle Bewirtschaftung zeitnah ausbleiben kann (hoher Laubwaldanteil). Auf der restlichen Fläche (ca. 6.000 ha) kann der Umbau von Fichte auf Laubholz wie jetzt geplant auf 30 Jahre uneingeschränkt fortgeführt werden, hier könnte auch der Laubholzeinschlag für die Privathaushalte erfolgen. (ca. 11.000 FM pro Jahr). Somit würde kein Schaden für Privathaushalte durch fehlendes Feuerholz entstehen. Auch die holzverarbeitende Industrie bekommt durch den Fichteneinschlag weiterhin einen Großteil ihres benötigten Holzbedarfs. In den Ruhezonen darf kein Holzeinschlag erfolgen und der Wald bleibt sich selbst überlassen. Außerdem gilt hier ein vollständiges Jagdverbot, um dem Wild Rückzugsmöglichkeiten zur ungestörten Vermehrung und Aufzucht zu gewähren. Darüberhinaus sollte auf der gesamten Fläche des Naturparks die bisherige Anzahl der Jagdbezirke um 50% verringert werden, wodurch sich auch die Jagdbezirke, die nicht von den Ruhezonen betroffen sind, deutlich vergrößern. Dies hat den Vorteil, das sich der Jagddruck auf das Wild auch auf der übrigen Fläche des Naturparks verringert. Zusätzlich muß eine Verordnung vom Land NRW erlassen werden, das auf der gesamten Fläche keine Bewegungsjagden mehr stattfinden dürfen (Drückjagd usw.). Es besteht sonst die Gefahr, dass die eingesetzten Hunde das Wild aus den Ruhezonen treiben. Die Jagd sollte auf die Ansitzjagd beschränkt werden. Weiterhin sollte jede Art von Fütterung oder Kirren verboten werden. Von dieser Verordnung sollten alle Genossenschaftsjagden ausgenommen werden, deren Waldanteil unter 40% der bejagbaren Fläche ausmacht. Denn hier ist zu berücksichtigen, dass sich die Gefahr von Wildschaden im Feld durch den sich erhöhenden Wildbestand erhöht. Diesen Jagdpächtern muss die Gelegenheit gegeben werden durch Ablenkfütterungen das Wild von den Ackerflächen fern zu halten.


Kommentare

6 Kommentare zu Piraten zum Nationalpark OWL

  1. Patricia Emberton schrieb am

    Finde ich super! Ich finde, dass bei solchen Entscheidungen immer die Bürger einbezogen werden sollten, denn schliesslich betrifft es uns ja alle.

  2. Vielen dank für den Zuspruch. In der Tat halten wir es auch für wichtig, alle entscheiden zu lassen. Das hat auch Grenzen meiner Meinung nach. Wir Bürger können nicht täglich zu jedem Thema x mal abstimmen. Genau dafür gibt es Werkzeuge, die die direkte Demokratie erst möglich machen. Eines davon ist Liquid Feedback, welches die Piratenpartei seit geraumer Zeit im Einsatz hat. Das System für bundesweite Themen ist hier zu finden: https://lqfb.piratenpartei.de

  3. Ahoi
    ein Nationalpark ist völlig überflüssig. Eine vernünftige Bewirtschaftung macht Sinn, Holz wird benötigt als Baustoff, Nutzholz und Energieträger. Es kann doch nicht Sinnvoll sein hier Wälder, die seit Jahrhunderten unter Bewirtschaftung stehen, nun unter Schutz zu stellen, um dann den Holzbedarf aus anderen Europäischen und anderen Ländern ohne nachhaltige Forstverwaltung heranzukarren.
    Es sollte lieber darauf gedrängt werden, dass mehr Holz genutzt wird, damit Waldbauern und der Staatsforst gesicherte Absatzmärkte haben und das nicht nur für Brennholz. Der Kunststoff ist in der Bauwirtschaft und Möbelindustrie immer weiter auf dem Vormarsch.
    Ein völliges Jagdverbot ist kontraproduktiv, da es in Deutschland keine großen natürlichen Jäger gibt, wird die Population von Wild überhand nehmen und sich an umliegenden Ackernutzflächen gütlich tun. Informiert euch mal über die Probleme in Berlin/ Brandenburg mit dem Schwarzwild (Wildschweine).
    Ein Einschlag von Forstflächen von Privathaushalten ist völlig illusorisch. Viel zu gefährlich und ich möchte nicht sehen wie der Wald nach einem “privaten Holzeinschlag” aussieht.

    Entschieden gegen weitere Nationalparks in Deutschland.

    • Darum schlagen wir auch keinen Nationalpark vor, sondern einen Ruhezonen-Naturpark, in denen nur Teile nicht bewirtschaftet dürfen.

Schreibe einen Kommentar

Hinweis: Kommentare geben nur die persönliche Meinung desjenigen wieder, der sie schrieb. Durch die Bereitstellung der Kommentarfunktion machen sich die Betreiber dieser Website die Kommentare nicht zu eigen und müssen daher nicht derselben Meinung sein.

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht öffentlich angezeigt. Verbindlich einzugebende Felder werden mit diesem Zeichen kenntlich gemacht: *

89 − = 81