Die Partei für die Fragen der Gegenwart und Zukunft

Schulpflicht und Spracherwerb darf nicht nur ein Lippenbekenntnis sein

Bildung für MenschenDer Kreisverband der Bonner Piratenpartei fordert von der Stadt Bonn und vom Kreis Siegburg alles zu tun, um jugendliche Flüchtlinge möglichst rasch in Bildungs und Ausbildungsprozesse einzugliedern. Dies sei eine der wichtigsten Voraussetzungen für ihre erfolgreiche Integration in die Gesellschaft und einen schnellen Zugang zum Arbeitsmarkt. Leider – das hatte die angeregte Diskussion im Anschluss an ein Referat von Carmen Valdes Martinez von Verein „Ausbildung statt Abschiebung“ (ASA) gezeigt – gibt es noch eine Reihe von Defiziten, die die politischen Verantwortlichen zum Handeln motivieren sollten.

Dringender Handlungsbedarf besteht vor allem darin, die Umsetzung der Schulpflicht auch für Flüchtlingskinder sicherzustellen. Gegenwärtig gibt es allein in Bonn mindestens 13 aktenkundig gewordene Fälle von schulpflichtigen Jugendlichen, denen (noch) kein Platz in einer Schule zugewiesen werden konnte. Offensichtlich gibt es zwischen der Stadt Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis eine unterschiedliche Rechtsauffassung, inwieweit eine Verpflichtung besteht, Jugendlichen einen Schulplatz zuzuweisen, selbst wenn ihr Aufenthaltsstatus noch ungesichert ist. Demgegenüber gab es bei den Diskussionsteilnehmern der Veranstaltung nicht einen Hauch von Zweifel, dass es auf jeden Fall sinnvoll ist, Flüchtlingskindern so schnell wie möglich den Schulbesuch zu ermöglichen.

Bei der Förderung des Spracherwerbs, gibt es ebenfalls noch erheblichen Handlungsbedarf. So gut wie alle Verantwortlichen in Politik und Verwaltung heben immer wieder hervor, wie wichtig der schnelle Spracherwerb für Integration, Bildung und Ausbildung ist. Dass es in dieser Hinsicht eine erfreuliche Anzahl von ehrenamtlichen Helfern gibt, die auf privater Basis oder im Rahmen von Vereinen und Initiativen die Flüchtlinge beim Erwerb der deutschen Sprache unterstützen, darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich hier um eine gesellschaftliche Aufgabe von höchster Relevanz handelt, die man nicht dem Zufall überlassen darf. Um so unverständlicher ist es, dass trotz dieser hohen Bedeutung den Lehrkräften, die im Bereich „Deutsch als Fremdsprache“ (DaF) arbeiten, von staatlicher Seite aus, keine angemessene Perspektive geboten wird. Wenn man bedenkt, dass Lehrkräfte in diesem Bereich eine akademische Ausbildung plus Zusatzqualifikation nachweisen müssen, sind die Gehälter und Honorare nicht anders als skandalös zu nennen. Zum Teil müssen vollbeschäftigte Lehrkräfte mit Hartz IV aufstocken, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren, von Alterssicherung ganz zu schweigen.

Es ist nicht deine SchuldKlar ist, dass man zukünftig mehr Lehrkräfte benötigen wird, will man die politisch gesetzten Inklusions-Ziele erreichen. Dazu muss dieser Beruf attraktiver gemacht werden, was ohne angemessene Entlohnung aber wohl kaum gelingen kann. Die Stadt Bonn sollte sich somit dringend beim Land dafür einsetzen, diesen skandalösen Zustand zu ändern.

Defizite sahen die Diskussionsteilnehmer aber auch in den Unterstützungsmöglichkeiten der Lernenden. Viele jugendliche Flüchtlinge aus Bürgerkriegsgebieten haben Jahre verloren, die man normalerweise für seine Bildung und Ausbildung nutzt. Deshalb ist die Regelung, Flüchtlingen dann eine Duldung zu erteilen, wenn sie unter 21 Jahre alt sind und eine Ausbildung beginnen, zu restriktiv. Wichtig wäre zudem, dass die Qualifikationen, die die Flüchtlinge mitbringen, besser, d.h. v.a. schneller, auf dem Arbeitsmarkt zum Tragen kommen könnten, z.B. durch beschleunigte Identifikation von äquivalenten Abschlüssen.

Ein weiterer Punkt ist die möglichst schnell einsetzende Beratung der jugendlichen Flüchtlinge zu den überhaupt existierenden Ausbildungsmöglichkeiten und zu den existierenden Fördermöglichkeiten, wie beispielsweise ausbildungsbgeleitende Hilfen (ABH).

Ein anderer Punkt ist die Betreuung von unbegleiteten Jugendlichen. Gegenwärtig leben in Bonn ca. 50 Minderjährige, die ohne Begleitung hergekommen sind. Ihnen sollte besonderer Schutz gewährt werden.

 

Dr. Michael Paetau, KV Piratenpartei Bonn


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