2015 Hamm Lokales

Pressemitteilung der Piraten in Hamm: Wie man jemandem das Leben

Der wegen eines vermeintlichen Taschendiebstahls per Öffentlichkeitsfahndung gesuchte Junge konnte mittlerweile identifiziert werden. Es soll sich um einen 13-Jährigen aus Dortmund handeln, der zudem bereits durch weitere Straftaten bekannt sei. Erkannt habe ihn ein Polizeibeamter aus Dortmund. Damit ist zum einen die Befürchtung der PIRATEN in Hamm belegt, dass es sich um einen Minderjährigen, genaugenommen ein Kind, handelt. Zum anderen hätte man auf die umstrittene Öffentlichkeitsfahndung verzichten können, da er nun auch ohne die Mithilfe der Bürger erkannt wurde. Ratspirat Martin Kesztyüs: “Es war von vornherein fragwürdig, den jungen Tatverdächtigen derart an den Pranger zu stellen. Um so schlimmer ist es, dass nun feststeht, dass es sich um ein Kind handelt. Straffällig hin oder her, Kinder bedürfen eines besonderen Schutzes. Es ist nicht ohne Grund gesetzlich geregelt, dass Kinder schuldunfähig sind. Damit nicht genug, nun hat sich auch noch gezeigt, dass diese öffentliche Bloßstellung nicht einmal nötig oder gar zielführend war. Diese Ironie des Schicksals ist so bitter, dass einem das Lachen vergeht. Falls das dann immer noch nicht ausreicht, gibt es gleich noch den nächsten Tritt, indem von einer hoch kriminellen Veranlagung die Rede ist. Veranlagung bedeutet genetische Disposition, dabei führt viel mehr die Sozialisation bzw. deren Mangel oder Entartung zu gewissen Verhaltensweisen. Nur deshalb ist es möglich junge Straftäter zu rehabilitieren. Straffälligkeit ist hier das Symptom, die Ursache gilt es zu ergründen und zu korrigieren. Aber genau diese Bestrebungen den Jungen auf den richtigen Weg zurück zu führen sind durch die Veröffentlichung des Fotos zusätzlich erschwert worden, da nun Mitschüler, Freunde und Bekannte von seiner Straffälligkeit erfahren haben und er dadurch ins soziale Abseits geraten könnte.”