2014 Allgemein International

Die Sache mit Google-Nest.org

Ein Gastbeitrag von Gloria Spindle und Paul von Ribbeck (ehem. Google).

Wir haben den Machern des Google-Nest-Hoax einen Gastartikel auf der Piratenwebseite angeboten. Und sie nutzen ihn für diesen kleinen Spendenaufruf hier. Gönnen wir’s ihnen, damit sie sich wehren können, wenn aus dem Spaß Ernst werden sollte.
– Eure Onlineredaktion.

Onlineaktivismus 3.0 – Ziviler ungehorsam im Internet

Google mahnt uns ab: Wir sollten ihnen unsere Webseite google-nest.org bis Montag »verkaufen«. Die Seite landet auf einem Tor Server und Jacob Applebaum hat dazu aufgerufen sie zu spiegeln. Ralf Bremer (PR Google Berlin) bemühte sich Samstag, uns wieder in den Google-Suchindex aufzunehmen. Das Forbes Magazin und viele gut sortierte Medien und Blogs in Deutschland haben schon berichtet. Mails aus der Türkei, Australien, Indonesien erreichen uns mit Applaus und Freude über diesen Scherz. Da fällt uns auf, dass wir pleite sind und gar nicht zu Spenden aufgerufen haben – also hiermit nochmal: Wenn ihr mehr davon wollt, her mit eurem Geld! Oder her mit euren Webdesign- und Grafikfähigkeiten!

Wie kam es nun dazu?

Der wohl beste und detaillierteste Bericht ist von Patrick Beuth auf Golem und Zeit Online nachzulesen. Sehenswert ist auch der zweite Akt, in dem wir abgemahnt wurden, und daraufhin offiziell zurückgetreten sind. Das US-amerikanische Magazin Fastcompany hat mit uns gesprochen und Maike Gosch hat die Geschichte auf Storify zusammengefasst.

Und was wollen wir denn so?

Natürlich wollen wir, dass der Großkonzern Google zerschlagen wird. Dass politische Strukturen geschaffen werden, in denen kein Konzern so viel Macht auf einen Haufen sammeln kann. Natürlich wollen wir keine Datenmonopole. Und ein dezentralisiertes Internet. Wir erinnern uns an das Grundrecht auf Gewährleistung der Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme – das endlich in Gesetze fließen muss. Dass das Netz rekommunalisiert werden soll, dass alle Haushalte freedombox-fähige Systeme bekommen, dass Sonderforschungsbereiche an Wirtschaftsunis entwickelt werden, die Alternativen zum »Pay with your data«-Modell entwickeln. Ihr Piraten habt sicher auch ‘ne Menge auf dem Zettel.

Wir haben zumindest geschafft, Google an einem Wunden Punkt zu treffen.

Leute, wir sind klein. Es war ne tolle Sache. Wir als kleines Team sind mit 850€ so weit gekommen. Ihr könnt sicher noch mehr, wenn ihr euch nur traut. Und: Wir machen weiter. Die nächste Aktion kommt, das ist sicher. Und wenn ihr was spenden wollt, damit es weiter geht: Super gern.

Aber es geht nicht nur darum

Es geht auch um praktische Protestforschung. Ein Experiment, was als Zivilgesellschaft noch so möglich ist. Und wir haben es immerhin geschafft ein paar Wellen zu machen. Als kleiner Haufen. Wir haben Verbündete in drei Parteien gefunden, die sich was trauten. Zwei NGOs spielten mit, obwohl alle wussten, dass sie ein Shitstorm erwarten würde. Damit – durch diese spielerische Irritation – haben wir Google ein Stück weit demaskieren können. Eines der stärksten Unternehmen im Bereich des Identitätsmanagement. Und es ist noch nicht zu Ende. Wir wollen Google die Möglichkeit bieten, seine ungemütliche Identität ein wenig stärker in den Vordergrund zu bringen.

Zur Stunde (also am Montag abend) läuft die Deadline ab, in der wir Google die Seite übergeben sollen. Mal sehen, was dann passiert. Denn die Seite übergeben wir denen ja nicht!

Peng!

Weil Piraten gefragt haben, hier der Hinweis:
Eine Spendenmöglichkeit findet ihr unten auf der Homepage von peng!