Grevenbroicher Schüler vermissen die Piraten bei Podiumsdiskussion

Die einzige Podiumsdiskussion zur Bundestagswahl 2013 in Grevenbroich fand am vergangenen Freitag Vormittag in der Aula des Erasmus Gymnasiums ohne die Piraten statt. Die Klassen und Stufen waren zum Besuch der Veranstaltung verpflichtet worden, der Versammlungsraum also entsprechend voll. Die Begeisterung der Schüler für die Politik blieb aber aus.

Dem Erftkurier war an diesem Sonntag zu entnehmen, dass tosender Applaus bei der Veranstaltung nur dann aufkam, wenn mal wieder einer der vertretenden Bundestagskandidaten auf eine gezielte Frage der Schüler keine zufriedenstellende Antwort wusste. Der Erftkurier stellt abschließend fest, dass „[…] die Politiker offenbar nicht vorbereitet“ waren auf die Beteiligung der Schüler an der Diskussion. Viele Schüler vermissten glaubhafte und authentische Statements – und die PIRATEN.

Peter T. Schaefer hatte bis zu letzt versucht, die verantwortlichen Lehrer davon zu überzeugen, dass die Piraten mit ihrer Kandidatin und der Fraktionsarbeit im Landtag NRW für die Jugendlichen als Teilnehmer wichtig sein würden. Die letzte E-Mail-Antwort des Organisators Werner Altmann lautete:

„Aus organisatorischen und traditionellen Gründen laden wir an unserer Schule nur immer die im jeweiligen Parlament vertretenen Parteien ein. Damit haben wir für diese Veranstaltung die  Piraten nicht eingeladen. Ich bitte um Ihr Verständnis.“ Werner Altmann

Diese Argumentation empfindet Schaefer als lakonisch und herablassend zugleich: „Inwiefern mit dieser Entscheidung selber Politik gemacht wird und ob es der Lebenswirklichkeit der Schüler entspricht, für die bereits 20 Abgeordnete unserer Partei im Düsseldorfer Landtag sitzen, stellen wir einfach mal so als offene Frage in den Raum.“ Schaefer weiter: „Extremistische Parteien auszulassen können wir theoretisch nachvollziehen – bei eindeutig demokratisch orientierten Parteien mit überregionaler Bedeutung fehlt uns da die Nachvollziehbarkeit. Fakt ist: Wer will, dass junge Menschen sich interessieren und engagieren, muss Ihnen auch Alternativen bieten.“

Die Kommentare der Schüler sprechen für sich

Die scheinbar vorgeschobenen Gründe der Veranstalter kommen auch bei den Schülern und Besuchern der Podiumsdiskussion im Nachhinein nicht gut an. Sie fühlen sich offensichtlich nicht ernst genommen. Besonders auf Facebook gab es enttäuschte Kommentare zu der Veranstaltung. Die Frage eines Erasmus-Schülers auf der Seite der Grevenbroicher Piraten, warum denn diese nicht zu der Veranstaltung gekommen wären, war somit schlicht zu beantworten: „Sie wurden von der Schulleitung – in Person Herr Michael Jung – und vom Organisator – Herrn Werner Altmann – nicht eingeladen.“

Im Folgenden zitieren wir Schüler mit ihren Kommentaren:

„Die Piraten wären aber auch irgendwie der einzige Grund gewesen, da wirklich zuzuhören. So hat man nur am Rande (klar auch aufgrund von fehlendem Interesse) mitbekommen, wie die Vertreter sich bzw. die Partei möglichst gut dargestellt, jegliche Kritik von sich gewiesen und sich gegenseitig runter gemacht haben. Irgendwie ja schon… traurig.“ Rebecca E.

„Naja ist ja auch Grevenbroich, da kann man nicht von ausgehen, dass jeder Politiker gescheit ist. Besonders die Linke Fraktion scheint in diesem sehr stark konservativen und von FDP geprägten Kleinstädtchen schwach zu sein  – was natürlich schade ist, wenn niemand wie die Piraten mehr den anderen Parteien Konter geben kann.“ Nils C.

„War letztens auch bei einer Podiumsdiskussion am Nelly-Sachs, da waren die Piraten vertreten, aber unsere Schule (Erasmus) ist halt sehr konservativ :-(Stattdessen laden die (am Erasmus) lieber Pro NRW ein wie vor 2 Jahren…“ Henri W.

Piraten gehören zur politischen Landschaft in NRW

Zuletzt hatte die Direktkandidatin der Piraten für den Neusser Südkreis Bianca Staubitz an der Podiumsdiskussion der KJG in Neuss teilgenommen. Christina Worm, Direktkandidatin aus Bochum und Expertin der Partei in NRW für Arbeit und Soziales, nahm vergangenen Woche an der Neusser Podiumsdiskussion von VER.DI teil. Alexandra Osburg, Direktkandidatin der Partei aus dem Rhein-Erft-Kreis, war unlängst im Gymnasium in Bedburg zur Podiumsdiskussion eingeladen.

„So unüblich, wie Jung, Altmann & Co. allen glauben machen wollen, ist also eine Teilnahme der Piraten an derlei Veranstaltungen nicht. Die Piraten in NRW gehören längst zur politischen Landschaft, da hilft auch kein Ignorieren mehr.“ schlussfolgert Peter T. Schaefer. Schaefer weiter: „Wir Piraten sind mittlerweile über die Phase der Empörung bei derlei Benachteiligungen in der Öffentlichkeit in Grevenbroich hinweg. Wir treten ein gegen den Filz – und mit dieser Kritik machen wir auch vor unseren Schulen keinen Halt.“

Der Wevelinghovener Pirat Wolfgang Konieczny mahnt die Verantwortlichen zu mehr Objektivität bei der Wissensvermittlung über die aktuellen Struktur des politischen Systems an die Schüler: „Schule soll auch kompetent darin machen, bestehendes zu hinterfragen und zu bewerten. Wer sich dabei nicht am Heute und der Lebenswirklichkeit der Jugendlichen orientiert, macht seinen Job nicht nur einfach schlecht – er macht ihn garnicht.“

„Wir lassen uns nicht weg-organisieren!“

„Als ehemaligem Schüler an diesem Gymnasium, der erst in diesem Jahr sein Abi gemacht hat, befremdet mich dieses Handeln, überrascht mich aber nicht wirklich.“ fasst der Pirat Marius Gieselbach seine persönliche Enttäuschung für alle Piraten zusammen. Gieselbach weiter: „Wir Piraten müssen eben auf die Straße und dort mit den Menschen reden. Dort kann man uns wenigstens nicht weg-organisieren.“

In den kommenden Wochen werden die Grevenbroicher Piraten auf einigen Infoständen und PIRATENtreffen im Stadtgebiet anzutreffen sein. Das nächste Treffen findet am kommenden Mittwoch um 20:00 Uhr im Haus Portz statt. Am darauffolgenden Samstag sind die Piraten dann mit ihrem Infostand in der Grevenbroicher Innenstadt wieder unter den Bürgern.

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